Nordkorea - Kumgangberge

Weit gereist – das Schiffs- Hotel Haegumgang in Nordkorea

Ich habe die alten Fotos vom Schiffshotel am Ufer des Saigon-Flusses in Ho-Chi-Minh-Stadt leider nicht mehr gefunden. An dieses erinnerte ich mich, als ich gestern einen Bericht in den ORF-Nachrichten sah. „Wie Hotel Haegumgang in Nordkorea strandete“. Das Bild des eigenartig geformten Hotels kam mir sehr bekannt vor.

Es geht jetzt weniger um die Möglichkeit einer originellen Unterbringung. Das Hotel ist seit zehn Jahren nicht in Betrieb. Es war Teil des damaligen Tourismusprojekts, von Südkorea finanziert und wichtiges Symbol des Zusammengehens und der Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd. Seit einem tragischen Zwischenfall 2009 in den Kumgang-Bergen ist es vorerst mit dem innerkoreanischen Reiseverkehr vorbei, „das Hotel dümpelt nun einer ungewissen Zukunft entgegen“ (ORF-Originaltext).

Es geht auch weniger darum, dass Staatschef Kim Jong Un es unlängst als Teil eines nicht mehr den modernen Touristikansprüchen genügenden Urlaubsresorts bezeichnete und vom Abreißen sprach.

Im Barrier Reef und in Saigon

Mich fasziniert die „unendliche“ Reisegeschichte des außergewöhnlichen Schiffhotels. In einer Werft in Singapur erbaut, fuhr es über 5000 Kilometer nach Australien. Genauer ins australische Barrier Riff, wo es 1988 südlich von Cairns und rund 70 Kilometer von der Küste entfernt verankert wurde. Unter dem Namen „John Brewer Reef Floating Resort“ diente es als luxuriöse Herberge für Riff-Besucher, Schnorchler und Taucher. Die manchmal auf Grund des unruhigen Meeres seekrank die Rezeption erreichten, manchmal im Hotel von Stürmen unluxuriös gebeutelt wurden. Stürmisch war dann auch bald die finanzielle Situation, nach einem Jahr gab man auf.

Das Hotelschiff (200 Zimmer, 7 Stockwerke) fuhr nun wieder zurück nach Asien und wurde eben am Ufer des Saigon-Flusses, unmittelbar im Stadtzentrum, verankert. Ab 1989 war es komfortable und begehrte Unterkunft im von guten, neuen Hotelbauten noch nicht übergehenden Saigon. Irgendwie erinnere ich mich auch noch an die beliebte Q-Bar.

Als Hotel Haegumgang in Nordkorea

1997 war es dann plötzlich verschwunden. Nordkorea hatte den „Floater“ gekauft. Es schwamm weiter um die koreanische Halbinsel in die beliebte Tourismusregion des Diamanten-Gebirges an der Ostküste Nordkoreas. Hatte also somit seit der Schiffstaufe rund 14 000 Kilometer zurückgelegt. Eine beeindruckende Reise. Der neue Hotelname war nun „Haegumgang“. Benannt nach dem an der Küste liegenden Teil des Kumgang-Gebirges. Die beiden anderen Bergregionen sind der westliche, eher sanfte Naegumgang und der dazwischen liegende Oegumgang mit seinen imposanten Gipfeln und Wasserfällen.

Das Schiffshotel werden wir möglicherweise bald nicht mehr sehen. Aber die Schönheiten des Kumgang-Gebirges, ob am Meer oder im Landesinneren, stehen den Besuchern aus dem Westen offen.

Interessante Links:

Nordkorea - Kumgang Nordkorea Im Kumgang Gebirge

Apropos  Schiffshotel: auch bei der Fussball-WM 2022 in Katar wird es schwimmende Hotels geben, um die Bettenkapazität zu erhöhen (Quelle: Travel Express). Insgesamt 16 Hotelschiffe werden dann an der Küste der Qetaifan-Inseln für die Fans bereit stehen. Wohin sie danach schwimmen werden, ist noch unklar.