Urlaubsparadies Nordkorea?

Urlaubsparadies Nordkorea? Letzte Woche waren sich die Medien einig. „Nordkorea will zum Urlaubsparadies werden“, titelte zum Beispiel die Kronenzeitung online. Bezieht sich dabei auf Informationen einer auf Nordkorea-Analysen spezialisierten Internetplattform. Die gleich einleitend schreibt, dass sie nur versuchen kann zu verstehen und dass man jedem, der gesicherte Aussagen trifft, misstrauen soll („We believe no one really knows for sure what is going on in North Korea, but we can at least try to understand the possibilities. Similarly, anyone who professes certainty should be viewed with the greatest skepticism“  Link ).

Die Plattform-Analyse liefert dann aber exklusiv  doch „gesicherte“, durch Satellitenbilder dokumentierte  Beweise für den Fortschritt beim Ausbau des ausgedehnten Tourismusresorts auf der Halbinsel Kalma. Diese befindet sich gegenüber der östlichen Hafenstadt Wonsan und ist Teil der Tourismuszone Wonsan-Kumgang-Masikryong. Satellitenbilder wirken immer. Beispielsweise auch beim entstehenden Urlaubsparadies Nordkorea. Sie haben auch den gerade bei Nordkorea spannenden Nebeneffekt, dass  die Leser bzw. die Satellitenbildbetrachter mit leichtem Schaudern quasi durch’s Schlüsselloch Einblicke in den so verschlossenen und uns sicher in vielen Bereichen schwer  verständlichen Staat  erhalten.

Die Halbinsel Kalma

Tatsächlich hat sich in den letzten Jahren auf der Halbinsel Kalma, die über breite, attraktive Sandstrände verfügt,  Einiges getan. 2013 begann der Bau eines zivilen Flughafens. Der Kalma International Airport wurde schließlich 2015 eröffnet. Er bietet neben den nahen Hotelanlagen direkt auf der Halbinsel auch gute Erreichbarkeit zum Wander- und Schigebiet am Masik-Pass als auch zu den südlich gelegenen Kumgang-Bergen, einem besonders für Koreaner beliebten Touristenziel.

So wirklich ist die Analyse nicht überraschend und die Satellitenbilder nicht neu. Schon 2015 wurde ich von der Tourismusadministration der DVRK informiert, dass bei einem internationalen Expertentreffen in der nordchinesischen Stadt Shenyang ein Entwicklungsplan für die seit einigen Jahren bestehende Touristenzone Wonsan-Kumgangsan vereinbart wurde. Diese umfasst eine Fläche von 430 Quadratkilometern. Sie gliedert sich in die sechs Gebiete Wonsan, Tongchon, Mount Kumgang, Sogwansa, das neue Schigebiet Masikryong und das Gebiet um die Ullim-Wasserfälle. In dieser Region gibt es zahlreiche historische Sehenswürdigkeiten, Seen und Mineralquellen und vier Strandzonen (zB Songdowon Beach).  Masikryong ist längst in Betrieb, nun wartet Kalma auf seine Eröffnung.

Im September 2018 habe ich auf Einladung der Tourismusadministration zusammen mit dem Leiter des Wiener Asienreiseveranstalters Tai Pan Wonsan besucht. Die Stadt besichtigt, den Hafen gesehen, Fischgerichte in einem Restaurant probiert. Und natürlich Hotels inspiziert. Nun ja, die jüngsten sind die am Ufer liegenden Häuser der mittleren Kategorie wirklich nicht mehr.

Hotel Tongmyong in Wonsan
          Hotel Tongmyong in Wonsan
Hotel Songdowon in Wonsan
          Hotel Songdowon in Wonsan

Vom obersten Stock des Tongmyong Hotels hatte ich trotz diesigem Wetter einen guten Blick auf die durch einen Steg mit dem Festland verbundene kleine Insel Jangdok. Ein auch bei der lokalen Bevölkerung beliebter Spaziergang.Für uns Besucher mit einer Eintrittsgebühr von 1 € verbunden.

Insel Jangdok und Fernblick auf Kalma
          Insel Jangdok und Fernblick auf Kalma

Eröffnung im Oktober

Doch ebenso konnte ich die zahlreichen Hotelbauten bzw. Appartementhäuser visavis auf der Landzunge (vgl.auch Bild ganz oben) sehen. Stolz informierte uns unsere Fremdenführerin. Ganz ohne Analyse und Satellit. Die offizielle Eröffnung der riesigen Strandresortanlage wird am 10.Oktober erfolgen. In der Saison 2020 sollen dann bereits viele tausende Gäste, die meisten sicher aus dem benachbarten China, auf Kalma strandwandern und im Ostmeer baden.

Der Eröffnungstermin ist nicht zufällig, er ist einer der wichtigsten Feiertage des Landes. Am 10.10. vor 74 Jahren kam es zur Gründung der koreanischen Arbeiterpartei. Im ganzen Land wird gefeiert, gesungen und getanzt  werden. Sicher am Hauptplatz von Wonsan und auf der Halbinsel Kalma. Mit spektakulären Massentänzen abends am Kim Il Sung-Platz in Pjöngyang.

Kalma wird für 2020 sicher auch ein neuer Programmpunkt für Rundreisen sowie kurze Erholungsaufenthalte sein. Bestätigt auch Direktor Günter Krause von Tai Pan Touristik. Von weit weg erhält er unfreiwillige Unterstützung: Auf der Onlineseite des Nachrichtensenders n-tv ist zu lesen:  „Auch US-Präsident Trump hat das Immobilien-Potenzial des Landes bereits erkannt.“ Man kann dem Herrn Präsidenten vieles absprechen, aber bei Immobilien kennt er sich aus. Vielleicht wird beim nächsten Treffen der beiden Staatsführer (im Gespräch ist der Februar und als Begegnungsort Vietnam) sogar  ein Trump Tower Kalma angesprochen. Mit dem seit vielen Jahren  geplanten Trump Tower Moskau (und anderen großen Bauvorhaben, zum Beispiel Mauern) scheint es ja zurzeit etwas schwierig zu sein.