Bahnverbindung zwischen Pjöngyang und Seoul

Wir haben uns bei unseren Nordkorea-Notizen ja vorgenommen, möglichst neutral zu berichten. Unbeeinflusst von politischen Spannungen zu informieren. Doch heute muss ich eine Ausnahme machen, muss über die UN-Sanktionen schreiben. Eigentlich über die teilweise Aufhebung der Sanktionen, die von der internationalen Gemeinschaft (inklusive der USA) gerade beschlossen wurde. Es geht um die geplante Wiederaufnahme der Bahnverbindung zwischen Pjöngyang und Seoul. Diese ist ein weiterer Schritt in den Bemühungen um Annäherung, entspricht auch der Umsetzung eines der beim Treffen der beiden Staatschefs Kim und Moon im heurigen April vereinbarten Punkte. Mit der Teilaufhebung kann nun endlich diverses zum Bahnausbau benötigtes Material und Treibstoff nach Nordkorea eingeführt werden.

Eine Bahnverbindung gab es jedenfalls bereits. 2007 fuhren erstmals nach mehr als 50 Jahren Güterzüge zwischen der Sonderwirtschaftszone Kaesong und der grenznahen südkoreanischen Dorasan Station. Ende 2008 war es damit wieder vorbei. Nun soll eine modernisierte Schienenstrecke Seoul über Kaesong mit Pjöngyang verbinden. Danach über den Grenzort Sinuiju sogar mit China.

Auch im Blickpunkt: die Bahn im Osten Koreas

Gleichzeitig wird die Bahnverbindung an der Ostküste („eastern transportation corridor“) ins Visier des gemeinsamen Expertenteams genommen. Bei meinem letzten Besuch habe ich die derzeit nicht in Betrieb befindliche, eingleisige Bahnstrecke gesehen. Während der Busfahrt von der Hafenstadt Wonsan in den südlichen Kumgang-Nationalpark begleiteten mich die Schienen. Wir haben sie mehrmals auch überquert. Die Kumgang-Berge liegen bereits nahe der Grenze, in der DMZ. Vom landschaftlich beeindruckenden Samil-See sind es nicht einmal mehr zehn Kilometer Bahn bis nach Südkorea.

Von der Grenze verläuft diese Bahnstrecke meist entlang der Küste des Ostmeers (das wir als Japanisches Meer kennen). In Wosan gibt es eine bestehende, aber veraltete Verbindung zur Hauptstadt. Dabei muss die Bahn Richtung Westen Erhebungen bezwingen (Nordkorea besteht zu 80 Prozent aus Bergen und Hügellandschaft). Sie muss sich aber ebenso auch durch Täler schlängeln, Umwege machen, bevor schließlich die Ebene Richtung Pjöngyang erreicht wird. Beim Ausbau über Wonsan Richtung Norden lockt jedenfalls auch die Anbindung an Russland und über die transsibirische Strecke die Verbindung mit Zentraleuropa. Die Hoffnung lebt: vielleicht können wir einmal vom Wiener Hauptbahnhof bis zur Seoul Station durchfahren.

Nur vier Kilometer sind es von meinem neuen Wunschbahnhof in Seoul zum Cheongwadae. Das ist der Präsidentenpalast mit dem markanten, blauen Dach. „Aus dem Blauen Haus hieß es, das gemeinsame Eisenbahnprojekt bringe die zwischenkoreanische Zusammenarbeit auf eine neue Stufe“, berichtete gestern die Wiener Zeitung. Das vernehmen wir gerne.

 

Übrigens: es gibt im September 2019 eine Sondergruppenreise für ÖBB-Mitarbeiter und Bahnfreunde nach China und Nordkorea  – zu den Details