Hotel Ryugyong

Hotel Ryugyong, ein Wahrzeichen von Pjöngyang

Es gibt für uns mitteleuropäische Besucher in Nordkorea einiges Fremdes und Befremdliches, nicht einfach zu Verstehendes. Eines der dafür schon optisch bedeutendsten Symbole ist eine von den meisten Stellen Pjöngyangs deutlich erblickbare, hoch in den Himmel ragende Pyramide. Die einen Anblick bietet, der bis vor zehn Jahren wegen seiner schmutzig-grauen Betonwände und finsteren Fensterlücken nicht nur hässlich, sondern zudem bedrohend wirkte. Den neugierigen Ankömmling aus dem Westen gleich einmal (weiter) verunsicherte. Die Antworten der Fremdenführer waren kurz. „Das ist das Hotel Ryugyong, ein Wahrzeichen von Pjöngyang. Noch nicht fertig. Dauert noch etwas“. Es sollte bei seiner Grundsteinlegung 1987 das höchste Hotel der Welt werden (vgl. auch: Nordkorea-Notizen vom 29.Oktober 2018)

Blick zum Hotel Ryugyong
Blick vom Platz mit dem Denkmal der Gründung der Arbeiterpartei Koreas
Hotel Ryugyong vom Juche-Turm
          Blick vom Juche-Turm
Hotel Ryugyong 2008
        Noch vor zehn Jahren…

Hotel Ryugyong, 330 Meter – 105 Stockwerke

1992 gab es in Folge des Ostblock-Zusammenbruchs auch in Nordkorea große wirtschaftliche, finanzielle Probleme, die einen Baustopp nach sich zogen. Auch mich bedrückte dieser, das Stadtbild dominierende Gigant, bei meinem Erstbesuch Anfang Oktober 2008. „ Dauert noch etwas“, war die originelle, logische Antwort meiner Fremdenführerin. Doch in diesem Jahr hatte tatsächlich der Weiterbau begonnen. 2012, zum 100. Geburtstag des Staatsgründers Kim Il Sung, sollte das Ryugyong endlich öffnen. Ein Investment des ägyptischen Orascom-Konzerns ermöglichte die zumindest außen erkennbare Fortführung. Die Fassade aus spiegelnden Glaspanelen wurde dann auch 2011 fertig gestellt. Die deutsche Luxushotelkette Kempinski als Betreiber der für den Hotelbetrieb vorgesehenen Etagen kam immer mehr ins Gespräch, zog sich aber wieder zurück. Bis 2017 gab es eine neuerliche Unterbrechung. Westliche Pjöngyang-Besucher berichteten: „Noch nicht fertig, dauert noch etwas“.

Hotel Ryugyong, ein Wahrzeichen von Pjöngyang
              Hotel Ryugyong, ein Wahrzeichen von Pjöngyang
Ryugyong
         Blick vom Triumphbogen

Die Stadtbild-Dominanz hat sich bis heute nicht verändert, der Blick auf das Ryugyong-Hotel ist aber eindeutig besser, ansprechender geworden. Das Gebäude fügt sich in die neue Skyline Pjöngyangs mit den vielen, neuen Hochhäusern. Ganz weltstädtisch wirkt die Pyramide am Abend. Wenn helle, bunte, bewegliche Bilder der Fassade in den Nachthimmel leuchten. Wie die „Flammenden Türme“ Bakus, die illuminierten Hochhäuser Shanghais, Chicagos oder in Sydney. Oder das immerhin 75 Meter hohe Uniqua-Bürohaus am Wiener Donaukanal.

          Weltstädtisch…

Bei meinem letzten Besuch im September stoppten wir nach einem guten „Feuerfleisch“-Abendessen (Bulgogi; inklusive ein oder zwei kühle Taedong-Biere) auf meinen Wunsch mitten auf einer zur Pyramide führenden Hauptstraße. Ich musste einfach den flammenden Turm Pjöngyangs fotografieren. Dieses Mal stellte ich keine Frage, da ich die Antwort kannte: „Dauert noch etwas“.

Nachtrag:

Die bekanntlich „wohlinformierten Quellen“ schätzen, dass 2020 oder 2021 das Gebäude fertig gestellt sein wird. Mit den Hoteletagen, Großbüroräumen und den Mietappartements. Dann kann man mit Recht sagen: Hotel Ryugyong, ein Wahrzeichen von Pjöngyang

Ich werde mich um eine Vorinspektion bemühen.